Ich habe längere Zeit kein Buch mehr mit Bezug zur Vergangenheit gelesen. Der Klappentext (und auch wieder einmal das Cover…ich geb’s ja zu…) von „Im Spiegel ferner Tage“ hat mich aber sehr neugierig gemacht.

Darum geht es:

Die Geschichte beginnt in London im Jahr 1932. Alice ist 21 Jahre alt, unverheiratet und lebt bei ihren Eltern. Sie arbeitet als Bürokraft, um den Haushalt mit zu unterstützen. Auf der Arbeit lernt sie James kennen, einen verheirateten Mann, zu dem sie sich hingezogen fühlt und der ihr verspricht, seine Frau zu verlassen. Als Alice schwanger wird, sind ihre Eltern schockiert und beschließen, sie auf ein Gut in Gloucestershire zu schicken. Sie soll dort die Zeit der Schwangerschaft und der Geburt verbringen – und anschließend soll das Kind weggegeben werden. 

Alice ist verzweifelt und unglücklich. Auf Fiercombe Manor, einem alten Gut in einem Tal, verbringt sie die meiste Zeit alleine mit Edith Jelphs, der Haushälterin und früheren Freundin ihrer Mutter, und Ruck, dem Gärtner. Bald schon stößt sie auf ein streng gehütetes Geheimnis, das den Ort umgibt. Nach und nach erfährt sie durch ein Tagebuch mehr über das Leben der ehemaligen Gutsherrin Elizabeth Stanton, das eng mit ihrem eigenen verwoben zu sein scheint, und einen dramatischen Verlauf genommen hat. 

Meine Bewertung:

Zunächst habe ich mich schwer getan und kam nicht so recht rein in die Geschichte. Aber nach rund 100 Seiten war ich mir sicher, dass ich ihr eine Chance geben und sie weiterlesen sollte. Eine sehr gute Entscheidung, die ich bis zur letzten Seite nicht mehr bereut habe.

„Im Spiegel ferner Tage“ erzählt eigentlich zwei Geschichten parallel. Die von Alice im Jahr 1936 und von Elizabeth in den Jahren um 1898. Die Kapitel sind deshalb aufgeteilt und erzählen jeweils in der Gegenwart von den Erlebnissen beider Frauen. Wobei Alice selbst erzählt und von Elizabeth erzählt wird. Die Schnittpunkte sind Tagebucheinträge von Elizabeth, aus denen sich Alice die damaligen Geschehnisse wie ein Puzzle zusammensetzt. Außerdem hat Alice ständig das Gefühl, ein Echo der Vergangenheit in Fiercomb wahrzunehmen – an Geister glaubt sie aber nicht.

Ich war mir zunächst nicht ganz schlüssig, wo die Reise hingehen würde. Zeitweise hatte ich das Gefühl, das Buch würde doch noch in eine Geister-Geschichte übergehen. Darum kam ich am Anfang nicht so recht weiter. Dann aber haben mich Alice und Elizabeth eingefangen. Insbesondere die Ereignisse rund um Elizabeths Ehe mit ihrem schwer einzuschätzenden Ehemann Edward fand ich spannend und sehr emotional. Alice wurde mir auch schnell sympathisch und ich litt mit ihr, der jungen Frau, die das Pech hatte, in einer Zeit zu leben, in der ungewollte Schwangerschaften und uneheliche Kinder auch in Europa noch ein ganz großer Makel waren. Es ist kaum zu glauben, dass das noch längst keine 100 Jahre her ist.  

Die Ereignisse rund um Fiercombe Manor und Stanton House zur Jahrhundertwende sind dramatisch und spannend zugleich. Elizabeth, eine junge, schöne Frau, ist ihrem eifersüchtigen Mann und dessen Entscheidungen komplett ausgeliefert. Sie hat keine Möglichkeit, sich ihm zu entziehen, und steht unter enormen Druck, ihm einen Erben zu schenken. Ihre Angst um ihre kleine Tochter Isabel und sich selbst bestimmen ihr Leben. 

Es fällt mir etwas schwer, das Buch einzusortieren. Ist es eine Liebesgeschichte mit historischem Touch, ein Drama…? Was auch immer: Es hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte an sich, die Sprache und der Schreibstil. Sehr schön gelöst empfand ich die unterschiedlichen Erzählebenen/Erzählformen. Die Erzählung gerät dadurch nicht aus dem Fluss. 

Mein Fazit:

Eine sehr schöne Geschichte über zwei liebenswerte Frauen, denen das Schicksal, oder besser ihr Umfeld, übel mitspielt. Jede von ihnen geht ihren Weg, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Mehr möchte ich nun nicht mehr verraten, es soll ja schließlich spannend bleiben. 

Sowohl Alice als auch Elizabeth fand ich sehr überzeugend dargestellt und sie haben mich berührt. Deshalb vergebe ich für „Im Spiegel ferner Tage“ 4 stark leuchtende Lämpchen und eine Leseempfehlung. 


Weitere Informationen zum Buch und zur Autorin findet ihr wie immer auf der Internetseite des Verlages. Erhältlich ist es natürlich auch bei der Buchhandlung eures Vertrauens.

Ich bedanke mich herzlich beim Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar.

Falls ihr das Buch auch gelesen habt: Wie gefiel es euch? Ich bin gespannt auf euer Feedback.

Ein schönes Wochenende!

Deborah

Ps: Ich musste euch einfach dieses super-tolle, selbstgemachte Lesezeichen zeigen, das ich geschenkt bekommen habe. Bin ganz vernarrt in meine süße, platte Ratte. Vielen Dank an die liebe Michi. 🙂